Salz im Kaffee

Verfolgergruppe der Süßstofflichkeit –

Nostalgie will kleben.

Man sieht sich immer zweimal –

im Leben.

Du hast den Ausdruck gar zu gern:

„Im Leben“

Sich berühren, vertrauen,

durch geschlossene Lider sehen.

Gehen mit -hinter präfigieren.

Man sieht sich immer zweimal –

im Leben.

Du kennst des Pudels Kern –

im Leben.

O My Love Is Like A Red, Red Rose

Lyrisches Ich

Du hast nach Bürgerlichkeit gerochen,

nach Waschpulver, Döner,

Biogemüse – manchmal nach deinem Lieblingsparfum.

Dies nur selten – doch:

Es hat zum lyrischen Ich gesprochen.

Du hast an einem der ersten warmen Märztage

in meiner Nähe nach Schweiß gerochen,

nach schnellen Wegen, Alltagshetze,

nach deinem genetischen Parfum.

Ich konnte dich gut riechen.

Da hat dich mein lyrisches Ich gerochen.

Der Flacon ist erst viel später zerbrochen.

Mairegen

Treffe mich im Mairegen

wie damals im Schatten der Gärten.

Mach nass mich wie Mairegen

im Dunkel des Baumsaums am Weg.

Treffe mich im Mairegen!

Es hat mir nicht gereicht zum Popliteraten;

meinen Flop-Attentaten

(wie rührend)

applaudiert nur ein harter, in Wahrheit ein ganz weicher Kern.

Treffe mich im Mairegen!

Im Mairegen!

Im Mairegen

wird eine schöne Nacht sein.

Himmelfahrtstag

Dem Himmel zu,

dem Sommer zu

Hungernd aus dem Eis

stehen wir dankbar in den Feldern

unser Nochfrieren wärmend an der Pusteblume

Da fährt einer den Berg hinan –

sehnig, kraftvoll -,

als hätte es den Winter nie gegeben

Nach Mitternacht

Alles ganz seicht

Alles ganz leicht

Biogemüseausflugnestgeborgen

Brotbackjogginghoseküchenzoom

Unangenehmer Post – Löschphantasie

Freunde in der Not:

Jedem sein eigenes Rettungsboot

Schibboleth

Lüge schmeckt metallisch, kupferner Kloß im Hals

Stimme passt nicht zu dir

Wahrlich, es braucht viel, soll sie perfekt sein

Nur Geübten zu empfehlen

Also, nimm Abstand!

Im Leben eines Taugenichts

streicht der Wolf in der hellen Nacht um den Berg

Du hattest nicht die Wahl 

Wie schön: du nennst dich

Zum guten Schauspieler muss man geboren sein

im schlechten Stück

Ich Kriegsverletzter hinter dem Mond

Die Zeit hat alles eingeholt

Castoreum

Sie veränderten die Parfums.

Doch ewig:

„Van Cleef“, geraunt,

Zauber halbseiden –

trugst du in Hotels

zu deinem Vorteil sicher

dionysische Ausdünstung

Biebergeil

„Aigner No. 2“, zugeraunt von der Schulbank,

dann mitgebracht aus der großen Stadt

„Azzaro“ und sehr, sehr tief „Courreges“

Du und ich, wir stürzten

Im Cacharel-Moment in der Bushaltestelle,

selig trunken, zwanzig und vierundzwanzig,

alt genug, uns zu entzweien,

die Erinnerung später zu inhalieren

aus dem Zerstäuber der

„Secretions magnifique“

Narnia

Kaum ein Kilometer

vor deiner Tür

da liegt ein Land, ein Ort

Gatter lose, informell die Grenze

Komm! Steig ein! Verschaff dir Zutritt

zur Baumreihe weisend Richtung Vollmond-Ewigkeit im Blau

Sammle Zapfen, Zweig und Schneckenhaus

Gewundene Schale verlassen – oder wohnst du ihr inne?

Wer weiß das schon?

Das alles wird klar auf kurzem Rückweg

Von ein paar hundert Metern Wildblumen

Liebend nur kann die Hand sein,

die sanft das Gatter schließt